Aus dem Alltag

  • Auch ich habe noch ein paar Geschichten aus meinem Retterleben:


    Diese ist noch nicht lange her:

    Wir schreiben den Februar 2020. Jeder kann sich bestimmt noch an das Sturmtief Sabine erinnern, welches Anfang Februar über Deutschland fegte.

    Sonntags Mittag wurden die Einsatzfahrzeuge unseres Löschbezirkes (entspricht einer Orts-/Stadtteilwehr aber auch Stütz- und Schwerpunktwehr) gecheckt und für den bevorstehenden Sturm einsatzbereit gemacht. Ab 18 Uhr wurde unsere Technische Einsatzleitung (kurz TEL) hochgefahren, aber nicht besetzt. Da ruft mich mein Löschbezirksführer an und fragt, ob ich bereit wäre, im Fall der Fälle in der TEL zu arbeiten. Ich habe zugesagt und es wurde ausgemacht, dass ich, sollte es losgehen und unser LB ist nicht alarmiert, über einen Anruf informiert werde.

    Gegen 20:30 Uhr war es dann so weit, mein Handy klingelte und es gab in unserer Gemeinde die ersten Einsätze. Durch die betreffenden Wehren wurden die Einsatzstelle abgearbeitet. Ab 21:30 war wieder Ruhe und wir gingen gegen 22 Uhr wieder heim. Nachts um 3 dann der nächste Anruf. Diesmal waren es zwei Einsatzstellen.

    Also gegen 5 Uhr wieder heim.

    Morgens um 8 geht der Melder. Ich so beim gemütlichen aufstehen: „Ah, jetzt liegt bei uns der erste Baum.“

    Beim Anziehen löst auch die Alarmapp auf dem Handy aus und es war vorbei mit der Ruhe. Denn auf dem Bildschirm stand: VU mit eingeklemmten Personen.

    Also ab ans GH, ausgerüstet und als Melder auf unserem VRW mitgefahren. An der Einsatzstelle dann folgendes Bild: vier beteiligte PKW, ein RTW gerade eingetroffen, in zwei PKW noch Verletzte eingeschlossen.

    Ich als RS direkt zu dem PKW, wo noch niemand vom RTW war. Erste Blick ins Innere, und da sah ich auf dem Rücksitz einen Hund. Da dieser aber ruhig war und einen Ersthelfer (Mitglied aus der Nachbarwehr) arbeiten lies, stieg ich ebenfalls ein.

    Patient war schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt und wurde in Absprache mit dem Notarzt durch eine große Seitenöffnung gerettet.

    Da vorher ein i.v.-Zugang durch den Notarzt gelegt wurde, musste die Winterjacke am Arm aufgeschnitten werden. Das war ne Sauerei, überall Daunen.


    Nach gut 2 Stunden war der Einsatz für uns beendet.

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  • Ein entspannter Freitagabend letztes Jahr. Irgendwann gegen 22:30 geht der Melder: "Unklarer Feuerschein". Stellte sich heraus waren ca.3500 brennende Strohballen auf einem Feld ausserorts. Dementsprechend bescheiden die Wasserversorgung. Ein Hydrant in ca. 1,5 Kilometer Entfernung in die eine Richtung und nen Kanal ungefähr genauso weit weg in die andere Richtung. Es half nix irgendwo musst ja Wasser herbekommen. Wir unsern SW leergemacht von dem Hydranten, und da das bei weitem nicht ausreichte das nächstgelegene HFS Angefordert die ne WV vom Kanal gelegt haben. Irgendwann in der Nacht, ich steh bei dem Maschinisten des LF an dem Hydranten, hinter uns Geschrei wir sollten aus´m Weg gehen... Ein Rollerfahrer (ohne Helm) auf dem Radweg. Er hält an, meckert rum was wir denn im Weg stehen würden. Ich habe mich nur Kopfschütteln und mit steigendem Blutddruck weggedreht während der Maschinist zu ihm sagte was wir da machen. Seine Antwort."Ach so, ich dachte ihr bewässert die Felder da es doch so trocken ist..."

  • Manchmal bekommt man Verschleißerscheinungen im Nacken vor lauter Kopfschütteln.

    Aus der Abteilung hab ich noch einen:


    Unwetterlage, wir seit Stunden mit allem unterwegs was Pumpen an Bord hat und Wasser aus Kellern befördern kann. Melden uns frei und warten auf den nächsten Auftrag. Dieser kommt umgehen. Überraschung... Wasser im Keller. Wir kommen dort an, steht der Herr des Hauses mit einer TP aus´m Baumarkt in der Hand vor der Tür. Wir gucken uns nur alle sehr fragend an und man konnte es förmlich sehen das wir alle das selbe dachten: "Wenn der ne Pumpe hat was steht der dann damit vor der Tür und was sollen wir hier" GF steigt aus und redet kurz mit dem Mann. Kommt nach 2 Minuten wieder und schnauzt den Maschinisten an er solle ganz schnell losfahren...


    Was war passiert: Die Pumpe die der gute Mann in Händen hielt war kaputt. Deswegen stand die nicht im Keller. Aber nun wollte er von uns das wir ihm die reparierten.


    Die Wassermenge im Keller war für unsere Pumpen im Übrigen zu niedrig als das wir hätten tätig werden können.

  • Seine Antwort."Ach so, ich dachte ihr bewässert die Felder da es doch so trocken ist..."


    Klar, mitten in der Nacht... Man hat ja auch sonst nichts zu tun.


    Manchmal bekommt man Verschleißerscheinungen im Nacken vor lauter Kopfschütteln.


    Mensch, deshalb doch auch das Feuer, damit die sehen was die da nachts bewässern :)

  • Mensch, deshalb doch auch das Feuer, damit die sehen was die da nachts bewässern :)

    Ich glaub, diese Beleuchtungsmethode nenn sich "Feldlaterne", wird oft zusammen mit "Feldflasche" oder "Feldbett" gekauft. :)

  • So ein Kopfschütteleinsatz hatte ich mal auf dem RTW:


    Wir notfallmäßig solo in ein Mehrparteienhaus alarmiert. Dieses lag in einer Sackgasse fast am Ende. Um ein Drehen mit Patient zu vermeiden, erst gedreht, bevor wir samt Trage und sonstigem Material in die Wohnung sind (Trage war direkt dabei, da es ein sehr verwinkeltes Haus ist, wo die Wege lang sind). Da die Straße eng war und keine Parkmöglichkeit wirklich vorhanden war, blieb ich mit dem RTW mit eingeschaltetem Warnblinklicht auf der Straße stehen.

    Dann also zum Patienten und unsere Maßnahmen durchgeführt. Haben dann die entschieden, den Patienten mit ins Krankenhaus zu nehmen. Also ab auf die Trage und ab zum Auto. Als wir die Haustür raus sind, sehen wir, wie ein Auto versucht, sich einen Weg über den Bürgersteig zu bahnen - zwischen RTW und einer kleinen Mauer durch. Mein Kollege und ich so: "das geht nicht gut." Und in dem Moment hören wir auch schon ein Scharben. Da hat uns der PKW-Fahrer eine schöne Schramme in die Seite gefahren.

    Da unser Patient nicht kritisch war, haben wir einen 2. RTW, die Polizei und den Führungsdienst Feuerwehr angefordert.

    Begründung des PKW-Fahrers, warum er sich vorbei gezwengt hat: Er wollte nur nach Hause.

    Ich muss glaube nicht erwähnen, dass er an dem RTW vorbei in den Wendehammer gefahren ist, also dort, wo es eh nicht weiter ging. Und vor unserem RTW gab es in der Straße einen größeren Parkplatz, wo er hätte solange parken können, bis wir weg gewesen wären.

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  • Mensch, deshalb doch auch das Feuer, damit die sehen was die da nachts bewässern :)

    Ach deswegen wurd das irgendwann so Duster wie das offene Feuer weg war 😂

  • Begründung des PKW-Fahrers, warum er sich vorbei gezwengt hat: Er wollte nur nach Hause.

    Jaja, die lieben Mitmenschen... Manchmal können die doch froh sein das unsereins nicht immer so darf wie er in solchen Situationen manchmal möchte...


    Situation bei Wohnhausbrand in voller Ausdehnung an einer Hauptverkehrsstraße. Diese durch uns und den Städt. Bauhof mittels Absperrbarken komplett gesperrt.

    Nun ergab es sich das ein RTW aus einer Nachbarstadt zu ins ins KH musste. Da der ansonsten einen dem Pat. nicht zuzumutenden Umweg hätte fahren müssen ist der durch die Einsatzstelle durch. Dies bemerkt ein Autofahrer der vor der Absperrung stand und bereits mir uns am Diskutieren war da er doch "Nur mal eben zum Bäcker wolle" welcher sich zwei Häuser vor der Brandstelle befand (aufgrund der Massiven Rauchentwicklung allerdings bereits geschlossen hatte). Nun kam der RTW mit voller Werbung an die Straße runter. Kommentar des Autofahrers: "Wieso darf der denn da durch aber ich nicht. Ich will ja doch nur zu dem Bäcker."

    Antwort: "DAS ist nen RTW. Werden sie Sanitäter, Bewerben sich bei uns, werden genommen, und fahren RTW. Dann können sie an Absperrungen vorbei wie immer sie wollen und kaum einer wird sie aufhalten.So und im Moment kommen sie nicht hier durch"


    Der Gesichtsausdruck war Weltklasse. Die weiterführung des Gespräches haben dann die Kollegen in Grün übernommen.

  • Einfach krass, kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen.

    Früher bauten wir Brücken,

    heute schlafen wir darunter.

  • Ich hab auch einen zum Thema Kopfschütteln:


    Als Vorabinfo: in Ö wird das Rettungswesen etwas anders gehandhabt wie zB in DE. Bei uns werden Dienste in der Nacht bzw. an Wochenenden zu großen Teilen von ehrenamtlichen Mitgliedern abgearbeitet - davon, das die Ausbildung eine komplett andere ist, rede ich nicht mal (hat mit dem hier aber auch nix zu tun).


    Ich war bis von ein paar Jahren eben auch ehrenamtl. Sani. Hauptberuflich arbeite ich in einem Krankenhaus, zwar "nur" im administrativen Bereich, dort aber auch direkt in einer Notaufnahme an der Front.

    Mein wöchentlicher Routine-Dienst stand an. Vom Brötchengeber nach Hause, für den Nachtdienst fertig gemacht, zur Dienststelle.

    Die üblichen Routineabläufe waren schnell erledigt und dann ging der Dienst auch schon los. Soweit alles im Normalbetrieb, zwar etwas mehr zu tun, aber nichts großartig aufregendes.

    Da wir von Dienstbeginn 19 Uhr durchgehend unterwegs waren, waren wir recht froh, gegen halb 3 in der Nacht wieder auf die Dienststelle einzurücken. Wir wollten alle wenigstens noch eine kleine Mütze Schlaf bekommen, bevor wir den Dienst um 5 Uhr beenden, und dann jeder der Nachtdienstmannschaft in Richtung seines Brötchengebers verschwand und wieder seinem alltäglichen Job nachging.


    Tja, erstens kommt es anders, zweitens als man denkt:

    Gegen 3 Uhr randalierte der Melder los. Wir also ins Auto und ab geht's. Meldung war: unklare Bauchschmerzen.

    Dann kamen wir an der Adresse an. Meinem Sani entfuhr schon mal ein: Bitte, häh?!?

    Wir kamen zu einem Haus, hellauf erleuchtet. Drinnen sah man schon mal mind. 4 Schatten herumgehen. Wir klingelten, die Patientin öffnete die Türe.

    im Hintergrund sahen wir 2 Männer und eine jüngere Frau - vermutlich also die komplette Familie wach.

    Begrüßt wurden wir mit den Worten: "Endlich! Wir können gleich fahren!".

    Wir begannen das Anamnesegespräch noch vor der Haustüre, denn hereingelassen wurden wir nicht. Nach einigen schwammigen Ausreden... sagen wollten wir mal eine aussagekräftige Antwort auf unsere Frage haben, die da einfach lautete: "Warum sind wir jetzt eigentlich hier? Und was können wir gegen... für sie tun?" Denn das wussten wir noch immer nicht.

    Nach viel Herumgedrücke sagte sie dann endlich: "Ich hab eine Fruktose- und Laktose-Allergie." Ich: "Und weiter? Wo ist das Problem?" Pat.: "Ich hab gestern um 6 Uhr abends (!!! - inzwischen war es halb 4 Uhr Nachts) eine Himbeermilch (!!!) getrunken."

    In dem Moment hörte man 3x ein dumpfes "Klonk" und die Pat. sah unser aller Gesichtsausdruck und das uns unser Kinn bis auf den Boden gefallen war...

    Die weitere Antwort ihrerseits war dann leider etwas unglücklich. Die lautete nämlich: "Was schaut ihr denn so. Immerhin bekommt ihr eh gutes Geld dafür!" Und dann klärten wir sie mal mit etwas lauterer Stimme auf, was Ehrenamt, Freiwilligkeit und die entsprechende Bezahlung angeht.

    Leider machte es ihre Verteidigung mit "Ja, aber ihr könnt heute morgen ausschlafen. Von meine Familie muss jeder Arbeiten" nicht wirklich besser und sie bekam die nächste Standpauke.


    Ende vom Lied: Wir brachten eine völlig beschwerde- und symptomfreie Patientin in das nächstgelegene Krankenhaus, wo sie vom diensthabenden Oberarzt die 3. Standpauke erhielt.

    Wir waren noch nicht mal aus der Notaufnahme draußen, rief uns die Schwester nach: "Ihr könnt die Pat. schon wieder mit nach Hause nehmen. Der Oberarzt hat gesagt, dass sie zu ihrem Hausarzt gehen soll."

    Das hat aber der Studierte gehört und nachgerufen: "Nix da. Die fahren jetzt nach Hause und die (.......... bitte Schimpfworte nach eigener Wahl einsetzen.....) soll selbst schauen, wie sie heim kommt. Immerhin fehlt ihr ja nix!"


    Wir kamen dann gegen kurz vor 5 Uhr früh auf die Dienststelle, meldeten uns ab, zogen uns um und jeder fuhr hundemüde seinem eigentlichen Job entgegen.

  • Oh ja, das Kopfschütteln ist manchmal immens....


    Ich als ehrenamtlicher DRK-ler an einer Einsatzstelle - ein Bauernhof brannte in voller Ausdehnung.

    Mit dabei im Einsatz war mein Vater - auch ehrenamtlich im DRK (ich bin quasi hineingeboren).

    Die Feuerwehr bat uns vom DRK (wir hatten nix zu tun) aufzupassen, dass niemand diesen Weg entlang geht, da die Stromleitung runter gekommen ist und das E-Werk den Strom noch nicht aus hatte.

    Gesagt, getan, wir standen da.

    Kam ein Presse-Knipser angelatscht. Mein Vater bat ihn, nicht weiter zu gehen, wegen der Stromleitung.

    Presse-Knipser dreht sich zu meinem Vater und sagte in einem abfälligen Ton: "Ich bin von der Presse, ich darf überall hin!" und lief weiter.

    Mein Vater drehte sich zu mir um und sagte: "so ein A...loch"

    Leider hatte das der Presse-Vertreter gehört, und dieser hatte sich dann an unseren Ortsverband gewand und sich über mein Vater beschwert. Er solle sich entschuldigen oder er verklagt uns.

    Schweren Herzens hat sich mein Vater dann entschuldigt.....

  • Es geht aber darum, das je x* Besucher ein Sanitäter, je y* Besucher ein RTW und je z* Besucher ein Arzt etc vor Ort sein muss (auch wenn die meist (zum Glück) nur rumstehen).

    * gibts glaube ich je Bundesland oder sogar je Kreis (und auch je Veranstaltungstyp, gefahrenlage etc) unterschiedliche Vorgaben.

    Und wenn da jetzt z.B. ein RTW Transport fährt fehlen die Helfer/RTW und theoretisch müsste die Veranstaltung abgebrochen werden.

    Ja das habe ich auch verstanden.

  • Nochmal einer zum Kopfschütteln, diesmal aus dem Klinikbetrieb:


    Es kam mal eine junge Dame (gerade noch ein Teenager) mit ihrer gleich sehr jungen Freundin in die Notaufnahme. Sie wirkte etwas nervös, aber soweit unauffällig. Meine Kollegin (neu, noch keine 3 Wochen im Betrieb) übernahm die Anmeldung. Ich sah und hörte ihr beiläufig zu, um bei Fragen einspringen zu können.

    Ca. 2.5 Sekunden später schnellte meine Aufmerksamkeit in ungeahnte Höhen, denn die Pat. hat auf die Frage "Was führt sie zu uns?" mit folgendem geantwortet: "Ich brauche sofort Hilfe! Ich habe DARMKREBS!!!"

    Dem panischen, hilfesuchenden Blick meiner Kollegin folgend übernahm ich das weitere Gespräch.


    Ich begann mit den üblichen Fragen.

    Wer hat sie zu uns überwiesen? Gibt es eine Überweisung? Gibt es Vorbefunde? Haben sie entsprechende Bildgebung usw. dabei? Und ähnliches mehr...

    Sämtliche dieser Fragen wurden entweder mit "Nein" oder nur schwammig bzw. nur dürftig auskünftig beantwortet. Schön langsam wurde mir die Sache zunehmend suspekt.


    Die Freundin der Pat. wurde inzwischen immer lauter, den "ich würde ihre Freundin ja sterben lassen wollen", oder "ich solle mal was für ihre Freundin tun und ihr nicht nur blöde Löcher in den Bauch fragen". Die leicht negative Stimmung schwappte auch dezent an die bereits anwesenden Patienten über. Mich trafen immer mehr böse Blicke und immer mehr wurde über meine Unfreundlichkeit gemeckert. Dann zog ich meinen letzten Trumpf.


    Ich frage die Pat.: "Also! Sie waren bei keinem Haus- bzw. Facharzt, haben keine Bildgebung, keine Überweisung, im Grunde eigentlich haben sie gar nichts in der Hand. Stimmt das?" Pat.: "Ja, aber ich habe Darmkrebs!" Ich: "Nun ja, wenn sie nichts in der Hand haben, keine Untersuchung, kein gar nichts, woher wissen sie bzw. wer hat ihnen dann gesagt, dass sie Darmkrebs haben??"

    Schlagartig war die Pat. ruhig, ihre Freundin genau so... Der inzwischen leicht wut-rote Hautton der beiden wich zusehends einem ertappt-blamierten-beschämten weiß der Hautfarbe... Auch die anderen Patienten verließen der Reihe nach ihren Kampfmodus wieder.


    Jetzt aber war ich im Angriffsmodus! "Ich rate einfach mal ins Blaue:", begann ich zusammenfassend, "Sie haben nichts handfestes, woraus eindeutig hervorgeht, dass sie tatsächlich an Darmkrebs leiden. Sie behaupten das aber weiterhin! Lassen sie mich raten: Sie haben den Hausarzt am Handy befragt, oder?" Betretenes Schweigen... "Dr. Google ist ja allwissend! Haben sie wenigstens zur Zweitmeinung Dr. Yahoo befragt?" Weiterhin betretenes Schweigen... "Wie ist es denn gelaufen? Welches Ergebnis war den in der Antwortleiste noch zu finden? Das dritte war Krebs, das fünfte war HIV, und laut dem siebenten Ergebnis müssten sie inzwischen schon tot sein, oder??" Inzwischen hatte ich auch die Lacher der anderen wartenden Pat. auf meiner Seite. Dann kam ein zerknirschtes, geflüstertes "Ja, sie haben recht" und wir konnten dann alle wieder den normalen Ablauf fortsetzen...


    Lange Rede, gar kein Sinn: Was war das Ergebnis der Geschichte?

    Die Pat. wurde ob ihrer ersten Äußerung die folgenden 3-4 Monate engmaschig betreut.

    Die Diagnose änderte sich trotzdem nicht: Hämorrhoiden...

  • Auch noch ein von mir erlebter Einsatz im Rettungsdienst.


    War eine relativ normale Schicht auf dem RTW, die nur hin und wieder durch paar Einsätze unterbrochen wurde.

    Gegen 17:00 Uhr ging der Melder: Notfall solo in der Straßenbahn. Also ab ins Auto, und mit Disco zur angegeben Haltestelle. Da dort auf der Straße (eine Hauptstraße, die auf die Autobahn führt) keine Haltemöglichkeit war, aber vor der Haltestelle (von uns gesehen) eine Gleisüberquerung war, dort drauf gefahren und gehalten. Ausgestiegen und mit Rucksack und Monitor in die Bahn. Dort saß ein ein älterer Herr, der über Kopfschmerzen klagte.

    Um eine ungestörte Untersuchung durchführen zu können, haben wir den Patienten mit in den RTW genommen. Damit die Straßenbahn weiterfahren konnte, haben wir uns entschlossen, auf einen ca. 200 Meter entfernten Parkplatz zu fahren. Dort dann die Untersuchung angefangen, da wird der Patient pampig, warum wir ihn den nicht ins Krankenhaus fahren, er habe ja Kopfschmerzen und Schwindel. Auf unsere Erklärungsversuche, dass wir ihn erstmal untersuchen müssten, ging er nicht ein.

    Der RA wollte auf der Leitstelle anrufen, um ein mögliches Zielkrankenhaus zu erfragen, doch auf der Leitstelle hob keiner ab (ging sengenden Tag schon so).

    Also nochmal mit dem Patienten unterhalten, versucht, Daten heraus zu bekommen. Als ich den Blutdruck nochmal messen wollte, wurde der Patient richtig ausfallend und wedelte mit seinem Gehstock herum. Also wollten wir die Polizei nachfordern - aber auf der Leitstelle reagierte immer noch keiner. Da wurde der Patient richtig ausfällig, ging verbal unter die Gürtellinie und sagte, da wäre er ja besser weiter mit der Bahn gefahren. Da wurde es meinem RA und mir zu dumm - Werte waren so weit ohne Befund, Patient will nicht mitfahren, sondern mit der Bahn weiter und wird aggressiv gegen uns, also haben wir ihn dem Auto verwiesen und an die nächste Haltestelle (20 Meter weiter) verwiesen.

    Als wir dann auf der Leitstelle angerufen haben, um die Situation zu melden, ging fast direkt ein Disponent dran. Alles erklärt und für uns war das Thema erledigt.

    Also ab auf die Wache.

    Dann, kurz vor Feierabend - meine Ablösung war noch nicht da - rief die Leitstelle an und fragte, ob wir noch den Namen von dem älteren Herren hätten. Leider mussten wir verneinen. Da wurde uns gesagt, dass sie einen Notruf vom Hauptbahnhof hätten mit einer sehr ähnlichen Beschreibung der Beschwerden und der Name XY. Wir so: „ja, das passt. Schick uns den Einsatz, wir fahren. Aber schick bitte direkt eine Polizeistreife hin.“

    Dorthin gefahren und tatsächlich, es war unser bekannter Patient.

    Parallel kam eine Fußstreife der Bundespolizei dazu. Und kurz darauf kam eine Streife der Landespolizei. Da die Beamten zu einer Sondereinheit (OpE) gehörten und von anderen Einsatz kamen, waren diese voll ausgerüstet.

    Die konnten dann in Erfahrung bringen, von wo der Herr kam und dass er eine Einweisung wegen Eigen- und Fremdgefährdung besaß. Da das dann zuständige Krankenhaus aufgrund der Kopfschmerzen und des Schwindels erst eine neurologische Untersuchung wollte, sind wir dann mit der Polizei erstmal in ein anderes KH gefahren. Dort hieß es, sie schauen, dass die Untersuchung schnell gemacht wird und wir den Patienten weiterverlegen können.

    Da nach 1,5 Stunden nichts passierte und es auf Nachfrage hieß, es dauert noch etwas.

    Also sind wir gefahren.

    Nur die Polizeibeamten hatten noch ihren Spaß.


    ich bin mit gut 2 Stunden Verspätung in den Feierabend.

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  • Ein Einsatz, der kurios begann und ebenso endete:


    ich bin mit meinem Hund, Labrador-Schäferhund-Mix Gassi. Toller Sonnenschein, ca. 28- 30 Grad.

    Gassi gehen liebte der Hund, aber laufen war nicht sein Ding, da kam so ein Blick der sagt "Wenn ich laufen wollte, wäre ich ein verdammter Husky geworden, Alter."

    Also, ich bin auf einer Runde mit dem Hund, die ca. 5 km lang ist und genau zur Hälfte der Strecke geht der Melder, B-3 M, also größeres Feuer, Menschenleben in Gefahr. Ich schaue meinen Hund an und sage " Toni, ob du willst oder nicht, wir rennen."

    Zum Glück hatte meine Frau uns rennen gesehen und sich gedacht was los ist und hatte schon den Autoschlüssel parat. Wer von uns beiden die Zunge länger aus dem Maul hatte, Hund oder ich, ist nicht bekannt.

    Total kaputt, außer Atem und verschwitzt rein ins Auto. Unterwegs ist eine Kreuzung, links kann man gut einsehen, rechts ist eine Sackgasse. Rot, vorsichtig drüber. Das rechts ein Auto etwas heftiger bremsen musste wegen mir habe ich nicht bemerkt.

    Am Gerätehaus angekommen bin ich immer noch ziemlich fertig und außer Atem, sehe aber, dass eine Streife auf unserem Hof dreht und mit Sonderrechten weg fährt.

    Aha, denke ich mir, die sind also auch auf dem Weg. Rein ins MTW, ab zur Einsatzstelle.

    Zum Glück war es "nur" ein Küchenbrand, nichts all zu viel passiert.

    Aber auf einmal kommt ein Polizist auf mich zu und sagt " Hast du ein Glück, dass du bei der Feuerwehr bist."

    Ich verstehe nur Bahnhof und schaue ihn wohl dämlich an und alles was mir einfiel war "Hä?"

    Sagt der Polizist " Du bist doch eben bei Rot über die Kreuzung, wir mussten voll in die Eisen wegen dir. Wärst du nicht bei der Feuerwehr, hättest du jetzt eine Menge Probleme."

    Sag ich zu ihm " Pass mal auf, wäre ich nicht bei der Feuerwehr, wäre ich auch nicht bei Rot über die Kreuzung gefahren."

    Die sind also hinter mir her und wollten mich wohl kurz oder lang anhalten, als sie dann sahen, wo ich hin wollte. Zeitgleich bekamen sie dann auch den Einsatz rein, warum so spät konnten sie mir aber nicht sagen.

  • Zwar nicht selbst mitbekommen aber Funkgold par excellence:

    "Leitstelle für NEF xyz"

    "Nach Aussage Arztpraxis hätte ein KTW bei einer Aortendissektion ausgereicht. Der RTW fährt mit Arzt und Alarm ins Krankenhaus."

    "Wiederholen Sie den ersten Satz"

    "Nach Aussage Arztpraxis hätte ein KTW bei einer Aortendissektion ausgereicht."

    "Das ist irritiert verstanden"

  • Schon lange her (Noch zu Analogzeiten)


    Leitstelle:

    "Notarzt Pirna fährt zum Großen Winterberg. Notarzt Bad Schandau fährt zum Großen Winterberg. Bei Ankunft übergeben die Notärzte sich dort. . . . . . . den Patienten"

    Mecker nicht Rum, mach's besser! Kannst du nicht? Dann halt den Ball flach!8o